Kampfrichter sehen gerne Rot. Diesen Schluss legt zumindest eine Studie von Forschern der Universität Münster nahe. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass Taekwondo-Kampfrichter Sportler mit rotem Brustschutz bei identischer Leistung besser beurteilen als solche mit einem blauen Schutz, wie die Universität am Donnerstag mitteilte. «Farben können komplexe Entscheidungen besonders in uneindeutigen Situationen beeinflussen», erläuterte Sportpsychologe Bernd Strauß.
Für ihre Studie zeigten die Wissenschaftler 42 erfahrenen Taekwondo-Kampfrichtern zwei Videos mit jeweils elf Kampfsequenzen. Im ersten trug ein Kämpfer einen roten und der andere Kämpfer einen blauen Brustschutz. Der zweite Film bestand aus den identischen Szenen, doch die Wissenschaftler hatten zuvor per digitaler Bildbearbeitung die Farben des Brustschutzes vertauscht.
«Obwohl die Kampfrichter den selben Kampf sahen, bewerteten sie die Leistungen der Sportler je nach getragener Farbe anders», lautete das Fazit. Den Athleten, der im ersten Video blau getragen hatte, beurteilten sie den Angaben zufolge im zweiten Durchgang mit rotem Schutz besser und umgekehrt. Im Durchschnitt hätten Kämpfer mit rotem Brustschutz 13 Prozent mehr Punkte erhalten als solche mit blauem Schutz.
«Unbewusster, nicht gewollter Effekt»
Bei zwei ähnlich starken Kämpfern könnte die Farbe der Wettkampfkleidung das Zünglein an der Waage sein, vermuten die Sportpsychologen aus Münster. Die Farbe Rot strahle Kraft, Energie und Gefahr aus. Das könne Kampfrichter gerade in uneindeutigen Wettbewerbssituationen beeinflussen.
Diesen Effekt könnten sie nur bedingt selbst beeinflussen: «Es handelt sich um einen unbewussten und von den Schiedsrichtern natürlich nicht gewollten Effekt. Wir können eben unsere Wahrnehmung nicht so einfach überlisten», betont Strauß. Er und seine beiden Kollegen Norbert Hagemann und Jan Leißing haben die Ergebnisse in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift «Psychological Science» veröffentlicht.
