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01. Juni 2007
Erpressung mit NS-Raubkunst


München - Das Erbe des kürzlich verstorbenen Nazi-Kunsträubers Bruno Lohse beschäftigt die Justiz in München und Zürich. Die Staatsanwaltschaft ließ die Räume eines Münchner Galeristen durchsuchen, den eine Enkelin des jüdischen Verlegers Samuel Fischer wegen Erpressung angezeigt hat. Die beschlagnahmten Unterlagen würden derzeit ausgewertet, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Christian Schmidt-Sommerfeld am Freitag in München.

Der Galerist und ein amerikanischer Kunsthistoriker hätten der Frau gegen «Finderlohn» die Rückgabe eines wertvollen Gemäldes des französischen Impressionisten Camille Pissaro angeboten, das der Familie 1938 geraubt worden sei. Die Münchner Staatsanwaltschaft leitete ein Ermittlungsverfahren wegen Verdachts auf Erpressung ein und bat die Zürcher Justiz um Rechtshilfe.

Nach einem Bericht des Schweizer Magazins «Cash» soll der im März in München verstorbene Lohse, der im Zweiten Weltkrieg für Hermann Göring in ganz Europa Kunstwerke beschafft hatte, das Pissaro-Gemälde und andere Bilder im Tresor einer Züricher Bank deponiert haben. Der Münchner Galerist sei verfügungsberechtigt über den Safeschlüssel gewesen und habe den Pissaro selbst vermessen und fotografiert. Der Fischer-Erbin soll er gesagt haben, das Bild sei in den Händen von Personen, die es in den 50er Jahren gutgläubig von Lohse erworben hätten.

Oberstaatsanwalt Schmidt-Sommerfeld sagte, der Galerist habe gegenüber der Staatsanwaltschaft keine Angaben gemacht, woher er das Bild habe. Er habe 18 Prozent Finderlohn verlangt und erklärt, ein Finderlohn sei in solchen Fällen üblich. Den Vorwurf der Erpressung habe er bestritten. Die Münchner Ermittler warten jetzt auf Antwort aus der Schweiz auf ihr Rechtshilfeersuchen. Ob die Ermittlungen dann ausgeweitet würden, sei offen. Gegen den mitbeschuldigten Kunsthistoriker ermittle die Münchner Justiz nicht, weil er US-Bürger und der Tatort im Ausland sei.

Der Zürcher Staatsanwalt Ivo Hoppler bestätigte auf Anfrage, dass ein Rechtshilfeersuchen aus München und zwei aus Liechtenstein vorliegen. Er überprüfte einen Safe von Bruno Lohse in der Filiale Bahnhofstrasse der Zürcher Kantonalbank und beschlagnahmte die enthaltenen Gemälde. Jetzt müsse geklärt werden, ob das gesuchte Bild «Le Quai Malaquais, Printemps» von Pissarro darunter sei. Da die Kooperation aller Beteiligten vorliege, könne er die Unterlagen spätestens Anfang nächster Woche den Staatsanwaltschaften in München und in Liechtenstein übermitteln, sagte Hoppler.

Nach Berichten von «Cash» und «Süddeutscher Zeitung» soll Lohse in dem 1978 angemieteten Zürcher Banktresor 14 Gemälde von Dürer, Monet, Renoir, Sisley, Kokoschka und anderen gebunkert haben. Der Tresorschlüssel sei bei einem Liechtensteiner Treuhänder aufbewahrt worden.






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