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01. Januar 2007

Ex-Bundesbank-Chef warnt vor Aufnahme neuer Staaten in die Euro-Zone



Möser - Als erstes der neuen EU-Länder führt Slowenien am 1. Januar den Euro ein. Die zwei Millionen Einwohner des Balkanstaates erwarten mehr Stabilität und einen Schub für den Tourismus. Unterdessen warnt der frühere Präsident der Deutschen Bundesbank und einer der "Väter" des Euro, Hans Tietmeyer, vor einer vorzeitigen Aufnahme der neuen EU-Staaten in die Euro-Zone. Das berichtet das Magazin EUROPATICKER.

Währungswechsel haben die Slowenen schon einige erlebt: Nur 15 Jahre lang zahlte man mit Tolar, vorher gehörte das Land zu Jugoslawien und dort hieß die Währung Dinar. Ein Euro sind 239,64 Tolar, das Umrechnen wird für die Slowenen nicht so einfach wie für die Verbraucher in Deutschland. Die slowenischen Euro-Münzen sind bereits erhältlich, die Scheine sind ohnehin international. Nur in den ersten zwei Januar - Wochen gelten Euro und Tolar parallel, danach gilt nur noch der Euro. Tolar können bis 1. März in Slowenien kostenlos umgetauscht werden, danach fallen Kosten an.

Um die Bevölkerung auf die neuerliche Umstellung vorzubereiten, ordnete die Regierung schon im März an, alle Preise doppelt auszuzeichnen. Im Mai empfahlen die EU-Kommission und die Europäische Zentralbank (EZB) dann den Beitritt Sloweniens zur Währungsunion. Damals wies der Balkanstaat mit einem Haushaltsdefizit von 1,8 und einer Gesamtverschuldung von nur 29 Prozent des BIP für 2005 hervorragende Zahlen auf, im laufenden Jahr liegen die entsprechenden Werte allerdings bei 3,0 und 60 Prozent und damit an der Grenze dessen, was der Stabilitätspakt zulässt. Die Inflation bleibt wohl auch im Jahr 2006 unter dem derzeit gültigen Referenzwert von 2,8 Prozent.

Die Wirtschaft Sloweniens soll durch die Euro-Einführung zusätzliche Wachstumsimpulse bekommen. Vor allem für den Außenhandel rechnen Volkswirte der UniCredit mit Vorteilen. Das reale BIP-Wachstum wird deshalb im kommenden Jahr voraussichtlich bei 4,3 Prozent liegen, andere Institute gehen von bis zu 4,7 Prozent aus, wobei die Industrie mit sieben Prozent Wachstumsmotor sein soll. Nutznießer der Euro-Einführung wird auch der Tourismus in dem kleinen Land zwischen Österreich und Kroatien sein, meint Ökonom Hans Holzhacker. Der Wegfall des Geldwechselns und die bessere Vergleichbarkeit von Preisen kämen der Branche zugute.

Für die Zeit bis zum Jahreswechsel hatte die slowenische Nationalbank 450.000 so genannte Starter-Pakete vorbereitet - Plastiksäckchen mit Euro- und Cent-Münzen im Wert von genau 12 Euro 52. Schon nach wenigen Stunden war an den Bankschaltern in Ljubljana keines mehr davon zu haben. Das zeugt zwar von großem Interesse an der neuen Währung, trotzdem ist die Umstellung für die meisten Slowenen offenbar kein großes Thema.

Nicht nur für die Österreicher wird das Einkaufen beim Nachbarn bequemer. Wer ab Januar nach Slowenien einkaufen fährt, kann nicht nur mit Euro zahlen, er bekommt auch Euro zurück. Bisher wurde der Euro zwar in Slowenien angenommen, als Wechselgeld bekam der Kunde aber slowenische Tolar zurück.

Im neuen Jahr werden die Waren in Slowenien verbindlich in Euro ausgepreist, was den Preisvergleich für Shopping-Touristen aus der Steiermark deutlich erleichtert. Auch für die Unternehmer wird es ab Januar bequemer: Währungsschwankungen fallen weg und Überweisungen werden billiger. "Der Zahlungsverkehr wird bequemer. Slowenien ist ein sehr kleines Land, die Effekte die davon ausgehen sind nicht gewaltig, es wird aber zu einer sehr angenehmen Verbindung dieser beiden Länder kommen", sagt Thomas Krautzer, Geschäftsführer der Industriellenvereinigung in der Steiermark.

Eigentlich wollte am 1. Januar auch Litauen den Euro einführen, der baltische Staat scheiterte jedoch knapp an einer zu hohen Inflationsrate. Die Regierung in Vilnius hat den Beitritt zur Währungsunion nun auf 2010 verschoben. Bereits 2008 wollen Estland, Malta und Zypern den Euro einführen. Mindestens ein Jahr lang wird Slowenien also der einzige neue Mitgliedstaat in der Eurozone bleiben. 

Der Euro wurde am 1. Januar 1999 als gemeinsame Währung von elf EU-Mitgliedsländern eingeführt. Griechenland schloss sich der Währungsunion am 1. Januar 2001 an. Zur Eurozone gehören offiziell Belgien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Luxemburg, Holland, Österreich, Portugal, Spanien und ab 1. Januar 2007 auch Slowenien. Einzige offizielle Landeswährung ist der Euro auch in Montenegro und im Kosovo, ohne dass diese Länder Mitglieder der Eurozone sind. Einige Länder (Andorra, Monaco, San Marino, Vatikan) hatten bereits Währungsunionen mit Mitgliedern der Eurozone und haben deshalb ebenfalls den Euro eingeführt. An den Euro gebunden sind auch die früheren Kolonien Frankreichs (14 afrikanische Länder sowie französische Übersee-Territorien) und die frühere portugiesische Kolonie Kap Verde.

Nach Schätzungen der Europäischen Zentralbank (EZB) befinden sich derzeit 10 bis 20 Prozent des gesamten Nennwerts aller Euro-Banknoten außerhalb der Eurozone. Insgesamt waren laut EZB Ende Oktober 2006 fast 11 Milliarden Euro-Banknoten im Gesamtwert von 595 Mrd. Euro im Umlauf und mehr als 68 Milliarden Münzen im Wert von fast 18 Mrd. Euro. Durchschnittlich besitzt jeder der 312 Millionen Einwohner der Eurozone 34 Euro-Banknoten (im Wert von rund 1.900 Euro) und 218 Münzen im Wert von 56 Euro.

"Zum ersten Mal hat der Euro den Dollar wertmäßig überholt", sagte ein Sprecher der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag in Frankfurt und bestätigte damit einen Bericht der "Financial Times Deutschland". Stückmäßig liege aber weiterhin der Dollar vorn, der mit 1-Dollar-Scheinen über kleinere Noten als der Euro verfügt.

Mitte Dezember waren nach EZB-Angaben Euro-Scheine im Wert von 614 Mrd. Euro weltweit im Umlauf. Dem standen zeitgleich Dollar-Scheine im Wert von umgerechnet 590 Mrd. Euro (776 Mrd. Dollar) gegenüber, wie aus der Internet-Seite der US-Notenbank Federal Reserve hervorgeht.

Jedes Jahr werden etwa 600.000 gefälschte Euro-Banknoten im Gesamtwert von 30 Mio. Euro aus dem Verkehr gezogen - das sei gemessen an den 10,6 Milliarden in Umlauf befindlichen Banknoten ein sehr geringer Anteil, betont man seitens der EU-Kommisison. Die Anzahl der entdeckten Münz-Fälschungen steigt zwar, ist aber nach wie vor sehr gering: Seit Einführung des Euro-Bargelds vor fünf Jahren wurden 500.000 Fälschungen aus dem Verkehr gezogen oder schon vorher beschlagnahmt.

Der frühere Präsident der Deutschen Bundesbank und einer der "Väter" des Euro, Hans Tietmeyer, hat vor einer vorzeitigen Aufnahme der neuen EU-Staaten in die Euro-Zone gewarnt: "Wenn Länder beitreten, ohne dass sie die Stabilitätskriterien voll erfüllen, kann das die Stabilität des Euro-Systems als Ganzes gefährden", sagte Tietmeyer der "Berliner Zeitung"

Anders als Tietmeyer hat sich der Chef-Volkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter, für eine schnellere Erweiterung der Euro-Zone ausgesprochen. Er bedauerte indirekt, dass ab 1. Januar 2007 lediglich Slowenien den Euro als Währung übernehmen wird. Im Südwestrundfunk (SWR) sagte Walter, die alten EU-Länder hätten "den Balten die Tür vor der Nase zugeschlagen". Die Begründungen dafür seien fadenscheinig gewesen angesichts der "schlampigen" Interpretation des Euro-Stabilitätspaktes durch Länder wie Deutschland und Frankreich. Tietmeyer sagte, er sei sehr enttäuscht, dass gerade Deutschland "über mehrere Jahre so wenig Fiskaldisziplin" gezeugt habe.


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